GelöbNIX Rheine – Gegen Militärspektakel und Auslandseinsätze

Am 29. Mai geloben RekrutInnen der Bundeswehr im münsterländischen Rheine, dem deutschen Militär treu zu dienen. Nicht hinter verschlossenen Kasernentüren, sondern in aller Öffentlichkeit. Damit das nicht unbeantwortet bleibt, hat sich längst ein Bündnis gegen das öffentliche Gelöbnis gebildet, das zur selben Zeit eine Demonstration angemeldet hat. Rheine befindet sich in Aufruhr und der Reservistenverband ruft seine Mitglieder auf, „Solidarität mit unseren Soldaten“ zu zeigen.

„Öffentliche Gelöbnisse sind psychologische Kriegsvorbereitung. Sie dienen dazu, die BürgerInnen an die öffentliche Zurschaustellung militärischer Traditionen zu gewöhnen und das Militär im öffentlichen Raum zu verherrlichen“, meinen die OrganisatorInnen der Gegenaktionen.

Anlass für die Propagandashow ist das 50-jährige Jubiläum der Bundeswehr in der „Garnisonsstadt Rheine“. Beteiligt sind jedoch nicht nur SoldatInnen aus Rheine, sondern auch vom Sanitätsregiment 22 im nicht weit entfernten Ahlen und dem Logistikbataillon 7, als Teil der Panzerbrigade 21 „Lipperland“ aus Unna. Eine besondere Rolle bei der Bundeswehr und ihren Beteiligungen an völkerrechtswidrigen Kriegen, spielt aber auch die Einheit aus Rheine. Das „mittlere Transporthubschrauberregiment des Heeres aus Rheine-Bentlage“ ist Teil der Eingreifkräfte der Bundeswehr und war laut Aussagen des Kommandeurs bisher an allen Auslandseinsätzen beteiligt. Piloten aus Rheine transportieren neuerdings nicht nur tödliche Fracht, die besten von ihnen üben mittlerweile sogar den Einsatz zusammen mit dem „Kommando Spezialkräfte“ (KSK).

Auch unabhängig davon, welche Einheiten ihre SoldatInnen am 29. Mai zum Gelöbnis ihrer Treue nach Rheine schicken, rufen die VeranstalterInnen der Gegendemonstration dazu auf,sich diesem Militärspektakel entgegenzustellen und die Militarisierung der Gesellschaft zu stoppen. Da das Mobilisierungsmaterial mittlerweile selbst in Berlin angekommen ist, bekommt es die Bundeswehr mit der Angst zu tun: „Wenn die Leute jetzt in Bussen kommen, beschleicht mich ein Unwohlsein“, sagte der Kommandeur des Rheiner Heeresfliegerregimentes, Oberst Werner Salewski bei der extra wegen der Proteste einberufenen Pressekonferenz. Gleichzeitig kündigt er an, beim nächsten Mal unerwünschte Kritik zu verhindern, indem er „genauer auf den Kalender schauen“ und das Gelöbnis nicht auf ein langes Wochenende legen werde.

Währenddessen mobilisiert der Reservistenverband gegen die GelöbNIX-Aktivitäten. Auf ihrer Homepage ruft er seine Mitglieder dazu auf, sich an den Online-Umfragen der großen Zeitungen zu beteiligen und am Gelöbnis teilzunehmen. Ziel sei es, „Flagge zu zeigen“ und einen „Beitrag zur Solidarität mit unseren Soldaten“ zu leisten.

Weitere Informationen zum GelöbNIX auf: www.geloebnix-rheine.de

Dieser Artikel ist im Original auf www.jugendzeitung.net erschienen.