Leider sind die Häscher der Bundeswehr oft zu Gast in Schulen, Arbeitsagenturen und ähnlichem, um Vorträge zu halten, zu werben und allerlei Fragen zu beantworten. Alle, die gerade keine Lust auf eine größere Aktion haben oder nicht schnell genug reichlich Leute zusammentrommeln, können solche Werbeveranstaltungen für kritische Nachfragen nutzen.

Im Gegensatz zu Einzelgesprächen, die Jugendoffiziere an Messeständen, Karrieretreffs oder ähnlichem mit dir führen wollen, hören bei Informationsveranstaltungen auch noch andere deine Fragen und die Antworten der SoldatInnen. Das kann genutzt werden, indem du kritische, peinliche und entlarvende Fragen stellst.

Mögliche Fragen:

  • Stimmt es, dass man bei einer Verpflichtung unter Umständen am Afghanistan-Krieg teilnehmen muss, der laut der der Bundesregierung zuarbeitende Stiftung Wissenschaft und Politik „Aufstandsbekämpfung“ als Schwerpunkt hat und laut der britischen Botschaft in Afghanistan das „Überleben eines Regimes“ absichert, „das ohne sie kollabieren würde.”?

Quelle: Der NATO-Krieg in Afghanistan

  • Der Sold ist für Soldaten im Ausland vielleicht nicht schlecht, aber meinen Sie wirklich, das entschädigt das permanente Risiko, zu sterben?
  • Sehen Sie die Bundeswehr als Mittel an, das Ziel des „freien und ungehinderten Welthandels“ zu fördern, wie es im Weißbuch der Bundeswehr (2006) unter „Interessen unseres Landes“ aufgeführt wird?

Quelle: Weißbuch der Bundeswehr (2006)

  • Ein Grund dafür, dass die Bundeswehr in Afghanistan im Einsatz ist, war doch die miserable Situation der Frauen- und Menschenrechte unter den Taliban. Wie kommt es, dass diese Situation bis heute nicht besser geworden ist?
  • Bejubeln Sie auch - wie das Bundesamt für Außenpolitik - , dass „die marktwirtschaftliche Ausrichtung der Wirtschaft und der Schutz von Investoren … in die neue afghanische Verfassung aufgenommen“ wurde?

Quelle: Der NATO-Krieg in Afghanistan

  • Sehen Sie es als legitim an, in Afghanistan einen Krieg zu führen, der zwar vom Deutschen Bundestag befürwortet wird, aber von großen Teilen der deutschen Bevölkerung und von einer Mehrheit in Afghanistan abgelehnt wird?

Quelle: Der NATO-Krieg in Afghanistan

  • Können Sie erklären, warum laut Wehrbeauftragten des Bundestags von 45.000 befragten Soldaten über 70 Prozent den Beruf nicht weiterempfehlen würden?

Quelle: Bericht des Wehrbeauftragten

  • Woher kommt eigentlich die hohe Selbstmordrate bei Soldaten der Bundeswehr? Allein 2004 waren das schon 44 Fälle. Und die Zahl der psychischen Erkrankungen nach Auslandseinsätzen ist sicher noch viel höher.
  • Wieso kommt es in der Soldatenausbildung eigentlich immer wieder zu Misshandlungen der RekrutInnen?
  • Wie erklären Sie sich die überdurchschnittlich vielen Vorfälle mit rechtsextremen Hintergrund in der Bundeswehr? Im Jahr 2007 waren es laut Bericht des Wehrbeauftragten 129 Vorfälle, zum Teil mit Beteiligung von Unteroffizieren und Offizieren. Da nicht alle Vorfälle an die Öffentlichkeit kommen, ist die tatsächliche Anzahl sicherlich noch höher.  und

Quellen: Bericht des Wehrbeauftragten und Braunzone Bundeswehr?

  • Halten Sie es für wahrscheinlich, dass die Bundeswehr weiterhin Kriege ohne UNO-Mandat, wie zum Beispiel den Kosovo-Krieg, durchführen wird?
  • Knapp 30 Kasernen sind nach Wehrmachtsangehörigen benannt; die Bundeswehr beteiligt sich sogar an Trauerfeiern für ehemalige Wehrmachtsangehörige. Liegt das vielleicht daran, dass sich viele Militärs in der Tradition der Wehrmacht sehen?

Quelle: Braunzone Bundeswehr? und Angaben der Bundesregierung

Hier ist eurer Fantasie keine Grenze gesetzt - und Themen für kritische Fragen gibt es genug. Auf viele der Fragen werden die Jugendoffiziere sicher vorbereitet sein, am besten ist es also, sich vorher einige Fragen heraus zu suchen, für die man auch Belege hat.

Tipps zum Umgang mit Jugendoffizieren erhaltet ihr auch in der Broschüre gegen Totschlagargumente von JungdemokratInnen Junge Linke Berlin.